Orientteppich-Atelier REZA


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GESCHICHTE

Orientteppiche sind alle im Orient (Morgenland) gefertigten Teppiche. In den orientalischen Ländern haben sich traditionell sehr unterschiedliche Formen der Teppichherstellung entwickelt. Dadurch lässt sich die Herkunft aus Machart, Muster und Material bestimmen.
Der Ursprung des Orientteppichs ist wie bei allen Dingen der Zivilisation das Bedürfnis nach Komfort. In den Ursprungsländern Persien, Turkmenistan, Afghanistan, Zentralasien und im Kaukasus, diente der Teppich der Wärmeisolation, er liegt auf dem Boden, am Eingang des Zeltes. Schafswolle isoliert hier besser.
Die Stabilität eines geknüpften Wollteppichs ist unerreicht, ein Schafsfell ist ähnlich effektiv, der Teppich bietet die Möglichkeit der individuellen, künstlerischen Gestaltung. Farben und Formen passen sich persönlichen und Gruppenvorlieben an, so sind Teppiche Kunst.
Der heutige Gebrauchsteppich ist anders zu bewerten als der antike Teppich, viele Autoren nehmen dafür die Zeit vor Christi Geburt. Als Bestandteil der modernen Wohnkultur hat er andere Bedeutung, als bei Nomaden und Berbern auf nacktem Steinboden oder in offenen Zelten.


Der persische Teppich Bild1 Bild2 Bild3 Bild4

Perserteppiche gibt es im ganzen Land, der Iran ist das Knüpfland schlechthin. Knüpfzentren Persiens sind sicher folgende zentralpersische Städte: Ghom, Isfahan, Kaschan, Nain und Saruk.
Da diese Städte recht nah beieinanderliegen, sind Knüpfmuster und Knüpfarten im Wesentlichen gleich. Vorwiegend Schurwolle auf Baumwollkette geknüpft in einer Feinheit von 90.000-2.000.000 Knoten pro m².
Die Musterung ist meist Floral, mehrere Hauptblüten mit Ranken und kleineren Blüten. Im Fond ein Hauptmedaillon, mal rund, mal barock in die Länge gezogen. Die Bordüre meist ähnlich wie die Hauptmusterung, Floral, Blüten, Ranken, Palmetten. In den Winkeln Eckbordüren, die in der Farbe und Musterung das Medaillon wiedergeben.
Hauptfarben sind alle Farben, aber Grün ist selten, was heute aber wohl daran liegt, dass die Industrieländer keine typischen Grün-Käufer sind, nicht weil Grün die Farbe des Propheten ist! Rot, blau und beige sind die Hauptfarben.
Täbriz im Norden stellt ähnliche Teppiche her, meist überladen mit Blüten und Ranken. Genau wie Ghom, Isfahan und Kaschan sind sehr feine Exemplare auf Seide, mit Seide und auch komplett aus Seide zu finden. Einzig Nain stellt meist keinen echt-seide Teppich her. Das könnte daher rühren, weil der Nain erst Mitte des letzten Jahrhunderts aufkam und nicht mit dem Isfahan in unmittelbarer Nähe konkurrieren wollte.
Wie schon erwähnt, knüpfen Bidjar, Täbriz, Mud, auch Veramin und Hosseinabad das typische Herati-Mahi-Motiv. In Europa ist diese Musterung sehr beliebt. Bis in die 1980er Jahre war der Mir-Teppich mit seinen kleinen Palmetten im Rapport der beliebteste deutsche Teppich, heute scheint es der Bidjar zu sein. Durchgemustert, pflegeleicht, nicht jeder Krümel ist gleich zu sehen. So ist eine Schwemme von Bidjar in verschiedenen Feinheiten entstanden, die Groben stammen aus Sanandadsch (als "Senneh" bezeichnet).
Anders als heute waren die Bidjar Teppiche früher (19. Jahrhundert) sehr dick.
Die heutige Teppichkundschaft trennte sich Anfang der Neunziger von der Vorliebe für barocke Teppiche mit wulstigen orientalischen Mustern der sechziger und siebziger Jahre, es kam der Trend zum Urbanen, Ursprünglichen hin. Helle Kiefermöbel aus Schweden brauchten einen Teppich, der auch kindgerecht ist, nicht zu laut, aber auch ein wenig bohemisch, intellektuell. Der Pädagogenteppich wurde geschaffen.
Also produzierte man im Süden Persiens bei den Knüpfern des Gashgai-Gabbeh-Gebietes unifarbene Gabbehs mit wenig Ornamentik, wenn überhaupt durfte es ein stilisiertes Männchen sein oder ein Esel, dick bis zu 3 cm Flor. Die Wolle war gut und strapazierfähig. Der ursprüngliche Charaketer des Gabbehs wurde aber verändert, und das innerhalb nicht mal einer Generation. Aus dem geometrischen Teppich mit vorwiegend wollweisser fast ungefärbter Wolle wurde ein farbintensives Konsumprodukt.
So änderte sich das Wesen des Teppichs mit den sich ändernden Ansprüchen der Industrienationen.


Der afghanische Teppich Bild1

Heute noch das Sinnbild für Authentizität. Wie der Turkmene im Norden Afghanistans ist der Afghane meist rot und rotbraun.
Geknüpft wird mit Schafwolle und Kette und Schuss ist meist aus Ziegenhaar. Baumwolle wird in der Region kaum angebaut und ist so traditionell kein Grundstoff zum Knüpfen.
Die Musterung ist gebietstypisch: eine breit angelegte mehrfache Bordüre, 10-20 kleinere Bordüren werden zu einer Großen, im Hauptfeld dann das typische Göl. Das ist eine Rosette, rund und mal eckig, mal als Stern angelegt und mehrfach unterteilt. Die Größe variiert je nach dem Knüpfer, dem Stamm und der Region. Die Zahl der Göls kann bei Dowlatabad-Teppichen bei einer Größe von 6 m² an die Hundert sein, bei Antkois sind es meist 20, bei Brückenformaten auch nur 2 bis 3.
Der Buchara ist ein aus Turkmenistan stammender Teppich und ähnlich wie der typische Afghane auf Wollkette geknüpft. Auch in der Musterung ist er ähnlich, die Farbe rot bis braun. Durch die Verwendung von ganz weicher Erstschurwolle aus guten Gebieten ist der Buchara edler und seidiger. Bis heute werden diese Teppiche, wenn auch selten, in dieser Region geknüpft.
Alte und antike Stücke, die Jomuden und Tekke, sind Sammlerstücke und teuer.
Aus der Stadt Herat (Afghanistan) stammt das Herati-Muster, in Persien Mahi-Muster genannt. Es wird in den neueren persischen Bidjar, Täbriz und Mud benutzt. Eine Anordnung von Rauten in Kombination mit Blüten in gleichmäßigem Rapport. Durch Wanderung und Deportation der Knüpf-Nomaden dieser Region in den nordpersischen, kaukasischen und türkischen Raum ist diese Art Teppich aber in Afghanistan nicht mehr anzutreffen.


Der türkische Teppich Bild1 Bild2 Bild3 Bild4 Bild5

Ausgehend davon, dass Ursprung der Teppich-Knüpfung wohl der zentralasiatische Raum ist und dadurch, dass im Zuge der Turk-Völkerwanderung vermehrt die Knüpfkunst in den Mittelmeer-Raum vordrang, ist der Bereich Anatolien mit seinen aus Mitgliedern der Turk-Völker, Kurden, Armeniern usw. bestehenden Dörfern ähnlich dem Azerbaidschan eine Wiege der auf Wolle geknüpften Dorfteppiche. Die Städte wie Istanbul oder Kayseri und Hereke produzieren hingegen sogenannte "Stadtteppiche" für den Export.
Der Aufbau der Nomaden- oder Dorf-Knüpfungen ist prinzipiell gleich den meisten kaukasischen Knüpfungen (Karabach, Aserbaidschan, Kasak usw.): Schurwoll-Flor auf Woll- oder Ziegenkette mit Wollschuss.
Die Musterung ist archaisch und geometrisch, bisweilen floral mit barockem Medaillon, häufig auch Gebetsteppiche. Yagcebidir und Dösemealti, Bergama und Uschak, Milas und Kars sind Gegenden mit ursprünglichem Knüpfcharakter. Antike Stücke sind genauso selten und wertvoll wie die Kasaks. Hereke, Kayseri und Istanbul z.B. knüpfen Konfektionsware für den Export, meist Wolle auf Baumwolle geknüpft mit persischem Muster ohne festen Gebietsbezug.
Hervorzuheben sind einzig die überragenden Rein-Seidenteppiche aus Hereke. Mit einer Knotenfeinheit von mindestens 1.000.000 Knoten pro m² sind sie mit die teuersten Teppiche und Brücken der Welt. Die Feinheit der Seidenteppiche wird üblicherweise auch nach Knoten pro cm² definiert. So werden ab 12x12 Knoten pro cm² auch als feine Ware bezeichnet. Sammlerstücke haben nicht selten 15x15 (=2,25 Mio./m²), 20x20 (=4 Mio./m²) und mehr Knoten pro cm². Die Knüpferin eines Seidenteppichs schafft bei dieser Feinheit selten mehr als 3.000 Knoten pro Tag, wobei die Anzahl der Farben noch eine große Rolle spielt.


Der kaukasische Teppich Bild1 Bild2 Bild3 Bild4

Der antike Kaukase gilt als der "Chardonnay" unter den Orientteppichen, der Monte Christo in Wolle auf Wolle. Ostkaukasus und Westkaukasus, d. h. einmal gehören dazu die Turkmenen im Osten und Aserbaidschaner im Westen. Ostanatolien und Armenien sind die westlichen Ausläufer, im Süden Azeri-Persien, im Osten sind es die Usbeken, sogar bis nach China.
Eines zeichnet alle guten Kaukasen aus: der Teppich muss auf Wolle geknüpft sein. Gute Stücke aus dem Kuba-Gebiet sind bisweilen auf Baumwolle geknüpft. Stücke, die nach der Zeit der Zaren Russlands entstanden, werden (wegen der sog. Musterverschleppung und zunehmender Kommerzialisierung) nicht mehr als sammelwürdig angesehen.
Einige berühmte Namen aus dem westlichen Kaukasus: Schirwan. Dazu gehören die Knüpforte Kuba, der Ordutsch Konakgent. Der Perepedil mit seinen Widderhörnern und dem einfachen weißen Shirazi. Der tolle Akstafa und den sagenhaften Vögeln mit den überlangen Schwanzfedern. Der Surahani in Läuferformat. Dann die Kasaken. Der Lori Pampak und der Fachralo mit den unverwechselbaren Medaillons. Der Adlerkasak Tschelaberd, eindeutig der bekannteste Kaukase. Der sog. Wolkenband-Kasak (Karabach-Chondsoresk) mit den geschwungenen Wolkenbändern. Der Armenier und seine Rosenbouquets. Der Schildkasak wirkt archaisch und kriegerisch.
Meist haben diese Stücke einen doppelten bis dreifachen braunfarbigen Shirazi. Wirklich schöne Stücke sind in einem Terracotta-Grundton (Cochenille-Rot). Ein wenig Senfgelb und Beige machen Kasaks unvergleichlich und hinreißend. Akstafa in Blau, Perepedil oft in Weiß und Blau, Fachralo gerne in Krapprot, aber auch mit Grün.
All diese Stücke, 100 Jahre und älter in fast tadellosem Zustand, dazu gehört die originale Einfassung, ein gleichmäßig hoher, wenn auch kurzer Flor, wenn möglich noch der original Kilim-Abschluss und kaum Restaurierungen, haben einen zeitlosen Sammlerwert und erzielen jedes Jahr neue Spitzenpreise.


Quelle: Wikipedia - Creative Commons Attribution/Share Alike


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